Warum Hunde, warum gerade Retriever?
Der Hund begleitet den Menschen seit mehr als 10 000 Jahren. War er zunächst noch vorrangig Jagdbegleiter und zum Schutz der Menschen da, so ist er im Laufe der Zeit zum vielseitigen Helfer und Partner geworden.
In der jüngsten Vergangenheit hat der Hund, als seine Aufgaben im Bereich Jagd, Schutz und Hüten immer weniger wurden, mehr und mehr an Bedeutung als Rettungshund, Spürhund und Schutzhund, sowie Blindenführhund, Behindertenbegleithund und Therapiebegleithund aber vor allem als Sozialpartner, als Familienhund gewonnen.
Der Hund als soziales Wesen, als Rudeltier, als Helfer und Gefährte ist weder aus der Geschichte der Menschheit, noch aus unserer heutigen Lebenswelt und damit auch aus unserem Leben wegzudenken.
Ein Hund ist eine Bereicherung des Lebens, ein zuverlässiger Begleiter, treuer Freund, der nicht bewertet und sich durch seine Aufrichtigkeit auszeichnet.
In der Literatur wird „der“ Retriever immer wieder als idealer Familienhund beschrieben. Dies ist ihm grundsätzlich auch nicht abzusprechen, ist er doch mit seinem sanftmütigen, fröhlichem, ausgeglichenem Wesen gleichwohl intelligent, elegant und charmant und bringt noch eine Besonderheit mit: seinen „will to please“, seine Begeisterung, für seinen Menschen etwas zu tun, zu arbeiten.
Außerdem gilt „der“ Retriever als leichtführig, leicht zu erziehen – leider auch zu verziehen, denn er lernt „gutes“ wie „schlechtes “ gleichermaßen leicht.
Retriever wollen gefallen, sind lernwillig, wollen arbeiten … und vor allen Dingen in den Familienalltag integriert werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Retriever seit Generationen für die Jagd, für das Apportieren, vor allem von Wasservögeln, gezüchtet wurde.
Er ist und bleibt ein Wasser liebender, apportierfreudiger Jagdhund und ist alles andere, als eine couchpotatoe, der gefordert und gefördert werden muss, möchte man ihm sein fröhliches und ausgeglichenes Wesen erhalten und ein artgerechtes Leben zugestehen.
Doch gerade all diese Eigenschaften, die den Retriever zu einem so liebenswerten Geschöpf machen, sind gleichzeitig die Ursache für den ‚Preis’, den unzählige seiner Artgenossen als ‚Modehund’ zahlen müssen.
Ist es nicht geradezu absurd, dass der Retriever aufgrund dessen so unendlich oft unüberlegt „angeschafft“ wird, sich so häufig keine Gedanken über seine Ansprüche, seine Erwartungen an ein artgerechtes Leben gemacht werden und ebenso wenig über seine Herkunft, die sowohl entscheidend ist für die Lebensqualität der Elterntiere, als auch für die des zukünftigen vierbeinigen Familienmitglieds, sei es seine Gesundheit oder seine Wesensfestigkeit?
Aus diesem Grund haben sich im Retriever-Netzwerk Menschen zusammengefunden. Menschen, die die Liebe zu dieser Rasse teilen und ihre Rechte achten, die auch andere Menschen für sie begeistern wollen, nicht ohne auf die Schattenseiten aufmerksam zu machen, damit – eines Tages vielleicht – kein Retriever einzig seiner Schönheit wegen ‚angeschafft’ wird, sondern weil Menschen es sich gut überlegt haben, mit diesem anspruchsvollen Geschöpf ihr Leben teilen zu wollen.
Solange es aber noch Menschen gibt, die nicht verstanden haben, dass gesunde, wesensfeste und rassetypische Hunde kein ‚Zufallsprodukt’ zum Schnäppchenpreis sind, sondern das Ergebnis eines arbeits- und kostenintensiven Zuchtziels sowie einer nicht minder arbeitsintensiven Aufzucht und Prägung, wird unser Engagement für die Retriever notwendig sein.
Werden Retriever ohne Sinn und Verstand ‚vermehrt’ einzig des Profits wegen.
Werden unzählige Elterntiere in nicht artgerechter Haltung vor sich hinvegetieren und kranke und nicht wesensfeste Welpen ‚produziert’.
Werden Menschen mit ihrem ‚Retriever’ überfordert sein – sei es im Umgang aufgrund von massiven Verhaltensstörungen, sei es aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten die kranken Tiere angemessen medizinisch versorgen zu können.
Gerade um dies zu verhindern, um vorher aufzuklären, warum ein Hund, warum gerade ein Retriever, haben sich hier Menschen zusammen gefunden.
©Sandra Müller – Retriever-Netzwerk 2006
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Quelle: Konrad Lorenz, “So kam der Mensch auf den Hund”, 2. Aufl. 1950.
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